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Studien

Wie bei vielen seltenen Erkrankungen gibt es auch beim männlichen Brustkrebs nur eingeschränkte Erkenntnisse zur Therapie der Erkrankung. Behandlungskonzepte basieren meist nur auf retrospektiven Studien, auf Einzelfällen oder Fallserien oder auf Auswertungen von Krebsregistern.

Allgemeine Brustkrebsstudien

Der Einschluss von männlichen Brustkrebspatienten in große Brustkrebsstudien ist eher die Ausnahme. Aber selbst dann zeigt sich das Problem der seltenen Erkrankung. Meist kann nur eine sehr geringe Anzahl männlicher Patienten rekrutiert werden und die Erkenntnisse aus geschlechtsspezifischen Auswertungen sind dementsprechend vage.

Spezielle Studien zum männlichen Brustkrebs

Auf Grund der geringen Betroffenenzahl ist es sehr schwierig, genügend Patienten für Studien zum männlichen Brustkrebs zu rekrutieren. Als Lösung bietet sich hier an, Studien nicht nur auf nationaler Ebene, sondern Länder übergreifend durchzuführen. Leider nehmen der größten internationalen Studie der EORTC (siehe unten) keine deutschen Brustzentren teil.
Informationen zu  kleineren deutschen Studien zum Brustkrebs beim Mann finden Sie ebenfalls unten beim Klick auf die + Zeichen

Studie „International Male Breast Cancer Program“ der EORTC

In Europa koordiniert die EORTC ein großes internationales Studienprogramm zum männlichen Brustkrebs, an dem zahlreiche Institute aus vielen Ländern (z.B. Schweiz, Schweden, Niederlande) teilnehmen. Im retrospektiven Teil der Studie konnten 1700 männliche Brustkrebspatienten eingeschlossen werden – eine Anzahl die auf nationaler Ebene bei weitem nicht erreicht werden kann. Ein weiterer prospektiver Teil folgt. Soweit uns bekannt ist, nimmt an den Studien zu diesem Programm weder ein deutsches Forschungsinstitut, noch eine deutsche Versorgungseinrichtung teil.

Ergebnisse der ersten Phase hier

„Male Studie“ der German Breast Group

Auf nationaler Ebene hat die GBG (German Breast Group) eine Studie zur antihormonellen Therapie bei Männern mit Brustkrebs durchgeführt. Im Wesentlichen bestätigten die Ergebnisse schon bekannte Erkenntnisse in Bezug auf Veränderungen im Hormonstatus bei den männlichen Patienten. Erkenntnisse bzgl. der Wirksamkeit (Überlebensrate, rezidivfreies Überleben) der Therapieoptionen bei Männern lassen sich aber nicht ableiten, da die antihormonelle Behandlung nur 6 Monate betrug und ein „Follow Up“ nicht erfolgt. Aus der Studie wird auch der Schluss gezogen, dass die Tamoxifen-Monotherapie für Männer gut verträglich (well tolerated) sei. Diese Aussage steht im Widerspruch zu anderen Studien (z.B. hier oder hier ) und sollte vor dem Hintergrund gesehen werden, dass auch in dieser Studie nur ca. 16 Patienten in den Studienarm mit der Tamoxifen- Monotherapie eingeschlossen waren.

„N-Male Studie“ zur psychosozialen Situation der Männer mit Brustkrebs

Die „N-Male“ Studie hat die Versorgungssituation der männlichen Brustkrebspatienten aus zwei Perspektiven untersucht:

1. Patientenperspektive
An der Untersuchung aus Patientensicht hatte unser Netzwerk mitgearbeitet, indem wir Anregungen zu den Interviewfragen gegeben hatten und aus unserem Mitgliederkreis auch zahlreiche Patienten die Fragebögen ausgefüllt hatten und für Einzelinterviews zur Verfügung standen.
Eine Kurzdarstellung der Ergebnisse ist hier zu finden.
Siehe auch Veröffentlichung im American Journal of Men’s Health.

2. Versorgerperspektive
An diesem Teil der Studie hatten wir unsere Mitarbeit eingestellt, weil wir Skepsis bezgl. der sachgerechten Aufarbeitung durch die Autoren hatten.
Eine Kurzdarstellung der Ergebnisse ist hier zu finden.
Diese enthielt in der Ursprungsversion einen völlig abwegigen Hinweis
Zitat:
"In einzelnen Bereichen weicht die Nachsorge bei Männern mit Brustkrebs von der Nachsorge bei Frauen mit Brustkrebs ab. Beim Mann sind andere Aspekte zu berücksichtigen wie die Untersuchung der Hoden (Risiko Hodentumore),….“

Es gibt keinerlei Hinweise, dass es bei Brustkrebspatienten ein erhöhtes Risiko für Hodenkrebs gibt. In der Literatur wird zwar das Risiko für einige Zweitkarzinome (Darmkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs, Prostatakrebs) beschrieben. Der Hodenkrebs ist darunter nicht zu finden. Es ist auch völlig absurd in der Nachsorge beim Brustkrebs ausgerechnet auf den Hodenkrebs zu verweisen, da das mittlere Erkrankungsalter beim Hodenkrebs bei 38 Jahren liegt, während es beim männlichen Brustkrebs bei 71 Jahre liegt (vergl. „Krebs in Deutschland“ vom Robert-Koch-Institut).
Wir nehmen an, dass die Autoren hier Hodenkrebs und Prostatakrebs verwechselt haben.
Dass diese Verwechselung nicht aufgefallen ist, obwohl Gynäkologen - die sich als Fachärzte auch für den männlichen Brustkrebs verstehen - an dieser Studie mitgewirkt haben, sollte zu denken geben.
Inzwischen wurde auf unsere Initiative hin das Informationsblatt geändert und enthält den Hinweis auf Hodentumore nicht mehr. Leider sind auf anderen Internetseiten noch falsche Versionen zu finden, die möglicherweise Männer verunsichern.
Auch der Hinweis, dass bei Männern andere Aspekte als bei Frauen, z.B. ein Thromboserisiko zu berücksichtigen ist, zeugt nicht gerade für eine besonders sorgfälltige Studie. Denn dieses Risiko gilt bei Frauen ebenso.

Studie zu Aromatasehemmer beim Mann

In einer Studie von Wissenschaftlern der Universitäten Magdeburg und Gießen wurde untersucht, ob Aromatasehemmer beim männlichen Brustkrebs eine ähnliche Wirksamkeit haben wie bei Frauen.

englisches abstract  hier
deutsche Zusammenfassung hier

 

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